Du betrachtest gerade Ulli Zelle las bei „Rudow liest“ aus „Mein Berlin, mein Leben“ mit Bravour
Ulli Zelle las bei „Rudow liest" aus „Mein Berlin, mein Leben" mit Bravour

Ulli Zelle las bei „Rudow liest“ aus „Mein Berlin, mein Leben“ mit Bravour

Ulli Zelles Lesung beim Lesefestival „Rudow liest“ am 22. März war ein großer Erfolg. Die von der Aktionsgemeinschaft Rudow gesponserte Veranstaltung übertraf alle Erwartungen. Selbst die Klappsitze im Gang der Dorfkirche in der Prierosser Straße waren belegt. Zusätzlich organisierte Christel Jachan vom Gemeindekirchenrat weitere Stühle, damit jeder Besucher einen Platz bekam. Rund 300 Gäste wollten den rbb-Reporter, der nun in den Ruhestand verabschiedet wurde, live erleben. Zelle dankte es ihnen mit einer lebendigen Erzählung aus seinem Leben, meist frei und ohne ins Buch zu schauen.

Vor Beginn begrüßte unser Vorsitzender Christian Jüttner zusammen mit Heinz-Jürgen Ostermann die Besucher und den Autor. Jüttner würdigte das von Ostermann initiierte Lesefest, das auch in seiner 13. Ausgabe „vielseitige Literatur“ bot. Ebenso hob er Zelles Verdienste hervor, insbesondere seine sachlich ausgewogene Reportage zum Bus 171, die zur besseren verkehrlichen Anbindung des Ortsteilzentrums beitrug. Unter den prominenten Gästen waren Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey, die ehemalige Schulsenatorin Astrid-Sabine Busse, Neuköllns Ex-Stadträtin Karin Korte sowie Martina Tittel, Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg.

Ulli Zelle las bei „Rudow liest" Besucher

300 Besucher – Rekord für „Rudow liest“! Zelle erzählte mit großer Leidenschaft aus seiner Autobiografie. Anfang der 70er-Jahre kam er ohne Wohnung, Job und Geld mit seinem schwarzen VW Käfer aus Liekwegen nach West-Berlin. Er landete in der Lausitzer Straße in Kreuzberg und schlief im Gartenhaus. „Gartenhaus klang schön“. War es aber nicht, die Toiletten befanden sich auf halber Treppe. Und die Wohnung, wo er seine ersten Nächte verbrachte, roch nicht etwa nach Freiheit, sondern nach „4711 und Alter“. Sie gehörte einer alten Dame.

West-Berlin war damals eine Hochburg der zersplitterten linken Szene, die sich in Kneipen wie „Oma Plüsch“ traf.  Alle hatten ihr Kampfblatt dabei und versprachen den Kneipengästen ein besseres Leben in einer wie auch immer gearteten sozialistischen Welt“, erzählt er. Später zog er in eine Spandauer Wohngemeinschaft, arbeitete in einer Werbeagentur und studierte Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, wo er mit der Note 1,1 abschloss. Ein Publizistik-Studium an der Freien Universität brach er zugunsten seiner Reporterkarriere ab. Nach Stationen als Texter schrieb Zelle für Berliner Bezirkszeitungen, die „Jüdische Allgemeine“ und verfasste Radiobeiträge für den SFB. Schließlich wurde er Reporter beim SFB, dem Vorläufer des rbb, und berichtete für „Rund um die Berolina“. 1985 wechselte er ins Fernsehen. Höhepunkte seiner Karriere waren Reportagen zur Maueröffnung, zur Berlinale sowie Interviews mit Harald Juhnke, David Bowie, Bill Clinton, Yoko Ono, Meryl Streep, Mick Jagger und vielen anderen. Sein exklusives Interview mit Mick Jagger 1998 am Tempelhofer Flughafen bezeichnet er als „echte Sternminuten“.

Ulli Zelle las bei „Rudow liest" Renate Humernik

Gut zwei Stunden erzählte und las Zelle aus seinem Buch, bevor er mit langanhaltendem Beifall bedacht wurde. Geduldig signierte er anschließend unzählige Exemplare. Sein Buch „Mein Berlin, mein Leben“ ist detailreich, wunderbar geschrieben und erweckt ein Stück Berliner und deutscher Geschichte zum Leben. Vor allem aber ist es eine Liebeserklärung eines Niedersachsen an seine Wahlheimat Berlin. Erschienen ist das Buch im Nicolai Verlag in der Reihe Berliner Porträts, man kauft es am besten in der Rudower Buchhandlung Leporello in der Krokusstraße 91.